Träume, Frust und ewiges Leben
Mein Name ist Andreas. Geboren wurde ich im August 1965 in Memmingen im Allgäu. Heinrich Lübke war damals Bundespräsident und Ludwig Erhard Kanzler. Nach dem berufsbedingten Umzug meiner Eltern nach Mannheim verbrachte ich jedoch den größten Teil meines Lebens bis zum heutigen Tage in dieser herrlichen Stadt. Mein Elternhaus war gut geeignet einen jungen Mann zu prägen und zu einem geraden Menschen zu erziehen.
Obwohl Gott in unserer Familie keine Rolle spielte, hatte ich in meinem Kinderherzen dennoch eine Sehnsucht danach, dass es ihn gibt und dass die Geschichten aus der Bibel, die ich im Kindergarten und der Grundschule hörte wahr sind. Diese Sehnsucht führte dazu, dass ich im Alter von etwa fünfzehn Jahren folgendes Gebet sprach: "Gott, wenn es dich gibt, dann zeige dich mir" da auf dieses Gebet hin nicht wirklich etwas passierte, vergaß ich die Sache nach einer Weile wieder und verbrachte in der Folge eine recht gewöhnliche Jugend im Mannheim der späten siebziger und achtziger Jahre.
Neben der Sehnsucht nach der Existenz Gottes hatte ich auch einen Traum, der wohl so oder so ähnlich der Traum vieler junger Menschen ist: Ich wollte reich und berühmt werden. Um diesen Traum zu verwirklichen verfolgte ich auch diverse Ansätze und Strategien. Zunächst versuchte ich mich auf dem Sportsektor. Für Fußball und Tennis fehlte mir jedoch der Trainingseifer und das Genie, so wurde mir schon bald klar, dass ich nicht der Nachfolger von Paul Breitner oder der Vorgänger von Boris Becker werden würde. Eine erste Frustration machte sich breit. Auch eine, zumindest gedankliche Karriere als Filmregisseur und Romanautor endete – ebenfalls nicht frustrationsfrei – erfolgs- und substanzlos.
Mit der Zeit und mit den Frustrationen kam ich schließlich auf die zündende Idee: am einfachsten und scheinbar mühelos kann man nur durch eines reich und berühmt werden: Popmusik! Also setzte ich fortan alles daran ein Popstar zu werden. Meine Gitarre wurde meine ständige Begleiterin, ich schrieb Songs und gründete permanent neue Bands um mein Ziel, reich und berühmt zu werden, zu erreichen. Selbstverständlich beschränkte sich mein Leben nicht nur darauf meine Träume zu verfolgen. Ich lernte neben Abitur, Ausbildungszeit und Zivildienst meine Frau Gesine kennen. Wir heirateten und gründeten eine Familie und ich startete in meine Berufstätigkeit. Mit all diesen familiären und beruflichen Rahmendingungen verschoben sich meine Prioritäten und schließlich wurde mir klar, dass auch aus meiner Popstarkarriere letztlich nichts werden kann.
Gesine und ich setzten unseren Ehrgeiz darein, unsere zu diesem Zeitpunkt drei Kinder gut zu erziehen und eine gute und stabile Ehe zu führen. Vor dem Hintergrund, dass sowohl meine Eltern als auch meine Grosseltern geschieden wurden, war dies ein wichtiges Anliegen für uns. Es stellte sich nur die Frage auf welcher Basis diese Ziele erreicht werden konnten. Jeder von uns Befragte hatte sein eigenes Rezept und viele widersprachen sich in ihren Ansätzen. Irgendwann um diese Zeit war Gesine bei unserer Nachbarin zum Kaffeetrinken eingeladen und die beiden unterhielten sich auch über das Thema Ehe und Erziehung. Unsere Nachbarin ließ Gesine wissen, dass sie und ihr Mann die Kinder gemäß der Bibel erziehen. Etwas verwirrt und mit einem Buch zur weiteren Lektüre und Vertiefung ausgestattet trat Gesine den Heimweg an. Als ich von dem Vorfall hörte, stellte sich mir spontan die Frage ob diese Menschen vom Mars oder doch eher von der Venus kamen.
Nichtsdestotrotz las ich das besagte Buch, in welchem ein Ehepaar mit 13 Kindern die biblischen Prinzipien der Kindererziehung darlegte, zumindest bis zur Hälfte, es sprach mich doch nicht wirklich an. Gesine hingegen war sehr davon angetan. Schließlich war es meine Frau, die die Angelegenheit um eine Eskalationsstufe erhöhte indem sie vorschlug, einen Gottesdienst in der Gemeinde unserer Nachbarn zu besuchen. Mit dem Hintergedanken mich undercover in der letzten Reihe zu verbergen und mir alles aus der Ferne anzusehen, willigte ich ein und wir erschienen am 05. Mai 1991 in der Freien Baptistengemeinde Mannheim. Die "Kirche" befand sich in einem Bürogebäude in Neckarau umrahmt von Ottoversand und einem Fitnessstudio, was nicht wirklich meinen Vorstellungen eines Sakralbaus entsprach. Die Leute dort waren im Gegensatz zum Ambiente doch ausgesprochen freundlich und warmherzig, was uns den Einstieg erleichterte. Leider gab es keinen Platz mehr in der letzten Reihe, was uns einen Platz in der ersten Reihe mit ca. 30 Zentimeter Knieabstand zur Kanzel sicherte.
Die nun folgenden Ereignisse der nächsten Stunde sollten mein Leben für immer verändern. Der Leiter des Gottesdienstes erhob sich um ein Eröffnungsgebet zu sprechen. In diesem Gebet nannte er Gott "Vater". Für mich war das als hätte jemand die Tür zu meinem Herzen aufgestoßen. War es nicht meine Sehnsucht von Kindertagen an, dass Gott mein Vater wäre und ich sein Kind? Da für den selben Nachmittag eine Taufe geplant war gab danach ein Mann, der ein recht bewegtes Leben hinter sich hatte, einen Bericht darüber, wie er kurz zuvor zum Glauben an Jesus Christus gekommen ist. Er stand dort vor der Gemeinde und weinte vor Dankbarkeit über die Dinge, die Gott in seinem Leben getan hatte. Für mich stellte sich die Frage, ob ich einem gewaltigen Theaterstück beiwohnte oder ob das alles echt war. Die Aufrichtigkeit des jungen Mannes und seine Authentizität überzeugten mich schließlich davon, dass es sich um einen wahrhaftigen und tatsächlichen Vorgang handelte, der da in seinem Leben passiert ist.
Schließlich folgte die Predigt. Anhand der Textstelle Matthäus 9: 36 - Als Jesus aber die Volksmengen sah, wurde er innerlich bewegt über sie, weil sie erschöpft und verschmachtet waren wie Schafe, die keinen Hirten haben. - wurde ich buchstäblich von einer ungeheuren Wahrheit übermannt. - Gott ist wirklich und ich bin ihm nicht egal- Das erste Mal in meinem Leben, und ich war zu jenem Zeitpunkt vierundzwanzig Jahre alt und hatte dreizehn Jahre Religionsunterricht hinter mir, hörte ich an diesem Sonntagmorgen, dass eine Beziehung zu Gott möglich ist indem man an seinen Sohn Jesus Christus glaubt. Alles was ich mir je erträumt und erhofft hatte strömte zu diesem einen Punkt zusammen. Der Ruf Gottes war für mich in diesem Moment fast hörbar. Auf der Stelle betete ich in meinem Herzen: „Herr Jesus mehr muss ich nicht wissen, bitte vergib mir meine Sünden und komme in mein Leben“. Dieser Moment war wie der Weckruf meines Lebens. Von diesem Tage an bis heute habe ich nicht aufgehört die Bibel zu erforschen und alles zu erfahren, was es mit Gott und der Welt auf sich hat. Niemals habe ich jenen Tag und die Entscheidung für ein Leben mit Gott bereut, denn je besser ich Gott durch sein Wort und die Nachfolge kennen gelernt habe, desto begeisterter bin ich von ihm.
(Andreas)