Keine Reise in's Ungewisse
Endlich war es soweit. Viele Wochen hatte der 6-jährige und gar nicht mehr so kleine Wicht, diesem Tag entgegengefiebert. In den letzten Tagen vor dem großen Ereignis war er nahezu unausstehlich, so sehr stand er unter Spannung. Und plötzlich trennte ihn nur noch eine Nacht vor dem großen Tag: Seinem ersten Schultag. Die Schultasche hatte er sich bereits vor einem halben Jahr ausgesucht, die Schultüte, die seine Mutter gemäß seinen Angaben und Wünschen gebastelt hatte, lag bereit. Hose und Hemd für das große Ereignis hatte der Junge am Abend zuvor schon einmal probehalber angezogen. Er wollte auf alles vorbereitet sein. Wer weiß schon, ob er nicht in den letzten drei Tagen so sehr gewachsen ist, dass die Kleider am ersten Schultag nicht mehr passen würden.
Das Frühstück ließ der Junge stehen, schließlich kann kein Mensch der so aufgeregt ist, etwas essen. Dann überraschte er seine Eltern mit der Ankündigung, dass er nicht mit der Familie zur Einschulungsfeier in das 7 km entfernte Talbach fahren wollte, sondern schon einmal probehalber den Schulbus nehmen würde, der unweit seines Elternhauses in Buchenweiler abfuhr. So viel Eifer und Unternehmungslust wollten seine Eltern nicht ausbremsen und deshalb erlaubten sie Jonas die Fahrt mit dem Schulbus.
Triumphierend zog er nach bestandenem Abenteuer in die Talbacher Turnhalle ein und setzte sich stolz neben seine Eltern und die kleine Schwester. Dann folgte die Rede des Bürgermeisters, die Rede der Schulleiterin, die Rede der Klassenlehrerinnen und endlich, endlich durften die Erstklässler mit ihren Klassenlehrerinnen Richtung Schule davonziehen. Im Klassenzimmer angekommen suchte sich jedes Kind seinen Platz anhand der Namensschilder. Ein Glück, dass Jonas schon seit Monaten lesen kann. So fand er seinen Platz schnell. Zur allgemeinen Begeisterung gab es erst einmal Brezeln und Saft. Nach einer knappen Stunde, in der sich die Lehrerin vorstellte und die Kinder sich miteinander bekannt gemacht hatten, ging es auch schon wieder zurück zur Turnhalle. Dort gesellten sich die Schüler wieder zu ihren Familien, die zwischenzeitlich das Kuchenbüfett gestürmt hatten. Die Mütter beäugten kritisch die Mütter der anderen Erstklässler und die Väter schauten verstohlen auf die Uhr und so mancher fühlte sich sichtlich fehl am Platze. Nach einiger Zeit und so mancher Darbietung der älteren Schüler beendete die Schulleiterin offiziell die Feierlichkeit. Nach und nach verabschiedeten sich die Familien.
Bestärkt von seinen positiven Erlebnissen wollte Jonas nun auch die Rückfahrt mit dem Schulbus wagen. Erst als er an der Bushaltestelle angekommen war und seine Familie längst davongefahren war, bemerkte das Kind, dass es in Talbach mehrere Haltestellen gab. Panik machte sich in ihm breit. Woher sollte er wissen, welcher Bus ihn nach Hause bringen würde? Jonas schaute sich um. Weit und breit kein bekanntes Gesicht. Die Beschilderung der Busse sagte ihm auch nichts. Jonas kämpfte mit den Tränen. Da sah er sie: Eine Frau mit Einkaufstaschen. Er sprach sie an: „Fährt dieser Bus nach Buchenweiler?“, fragte er mutig. Die Frau bejahte. Doch Jonas blieb unschlüssig stehen, schließlich stand viel auf dem Spiel. Wenn er in den falschen Bus einsteigen würde, würde er nicht nach Hause kommen. Vielleicht nie wieder. Wer wusste das schon? Das kluge Kind beschloss, noch eine weitere Person zu fragen. Er sprach einen älteren Herrn an, der gerade des Weges kam: „Entschuldigung, fährt dieser Bus nach Buchenweiler?“. Der Mann antwortete: „Aber ja, mein Kind“. Noch immer war Jonas sich nicht sicher. Er schaute zweifelnd an dem Bus hoch. Dann ging er einmal um den Bus herum. Plötzlich hörte er, wie der Motor startete. Schnell rannte Jonas zu Tür und fragte den Busfahren: „Fahren Sie nach Buchenweiler?“. Der Busfahrer begnügte sich mit einem Kopfnicken und einem gemurmelten „Ja“. Immer noch voller Zweifel stieg Jonas ein und nahm Platz. Im seinem Kopf wirbelten die Gedanken nur so umher. Zu allem Unglück fuhr der Bus auf dem Rückweg eine völlig andere Strecke und Jonas wurde noch verwirrter. Als er die Ungewissheit nicht mehr aushielt, betete er im Stillen. Trotzdem rannen Tränen über seine Wangen. Endlich sah er eine bekannte Straße. Jetzt wusste er, sie waren im Nachbarort von Buchenweiler. Ab jetzt kannte er sich wieder aus. Noch zwei Haltestellen, dann würde er zuhause sein. Sehr erleichtert stieg Jonas in Buchenweiler aus. Die 50 Meter bis nach Hause rannte er. Keuchend kam er zuhause an.
Beim Mittagessen berichtete Jonas von seinem Abenteuer und der großen Angst, die er ausgestanden hatte. Er beendete seinen Bericht mit den Worten: „Als dann auch der Busfahrer gesagt hatte, dass der Bus nach Buchenweiler fährt habe ich mir gedacht, jetzt muss ich halt einfach dem Busfahrer vertrauen“.
Als ich den Bericht von Jonas’ erstem Schultag hörte, tat mir das Kind von Herzen leid. Ich habe selbst viele schreckliche Busfahrten in Schulbussen erlebt. Ein wenig amüsiert hat es mich schon zu erfahren, dass Jonas drei Bestätigungen brauchte bevor er dem Busfahrer vertrauen konnte. Doch geht es mir nicht oft ähnlich? Ich kenne mehr als drei Bibelverse in denen die Rede davon ist, dass Gott mich sicher nach Hause bringen wird. Trotzdem schafft es der Zweifel immer wieder in mir hoch zu kriechen, wenn die Umstände schwierig sind oder Entscheidungen anstehen. Da kann es schon einmal passieren, dass ich während eines akuten Krankheitsschubes daran zweifle, dass Gott einen guten Plan für mich hat. Oder ich mich gelegentlich frage wie es sein wird, wenn ich alt bin und vieles nicht mehr selbst erledigen kann, wer dann wohl für mich sorgen wird? Oder wenn meine Schwägerin aus Frankreich mir erzählt wie groß die Brutalität an der Schule meiner Nichten ist frage ich mich manchmal: Werden sie es schaffen stark zu bleiben und Rückgrad zu zeigen wenn die Versuchung kommt? Oder werden sie einfach mitzumachen, nur um auch einmal dazuzugehören?
Wie Jonas kann auch ich mich bestens vorbereiten für das Ungewisse. Ich kann eine gute medikamentöse Basistherapie machen um die Krankheit in Schach zu halten. Ich kann finanziell für das Alter vorsorgen. Meine Schwägerin unterstützt ihre Kinder nach besten Kräften und hat sie von klein auf mit den biblischen Geschichten vertraut gemacht. Ich bete für meine Nichten. Aber letztlich haben wir es nicht in der Hand wie die Dinge sich entwickeln. Trotz aller Vorbereitungen können wir den Verlauf der Lebensreise nicht genau bestimmen. Denn wir sitzen nicht am Steuer. Aber wir können uns dafür entscheiden in den richtigen Bus einzusteigen.
Aber welcher „Bus“ ist nun der richtige? Ein Blick in das Kursbuch, auch Bibel genannt, zeigt uns den Weg:
„Aber ohne Glauben ist’s unmöglich, Gott zu gefallen; denn wer zu Gott kommen will, der muss glauben, dass er IST“ (nach Hebräer 11,6) und „Wenn man von Herzen glaubt, so wird man gerecht“ (nach Römer 10,10).
Wenn ich nun von Herzen an Jesus glaube und ihm das Steuer meines Lebens überlasse, dann kann ich mich hundertprozentig darauf verlassen, dass er mich den richtigen Weg führt. In Jeremia 29,11 sagt er zu seinen Kindern: „Ich weiß wohl, was ich für Gedanken über euch habe: Gedanken des Friedens und nicht des Leides, dass ich euch gebe Zukunft und Hoffnung“. An dieses Versprechen können wir uns klammern, wenn uns die Wegstrecke plötzlich unbekannt erscheint und die Reise uns Angst macht. Wenn wir uns plötzlich nicht mehr sicher sind, wo wir ankommen werden. Gott hat uns das ewige Leben versprochen und er wird uns sicher nach Hause bringen.
(Rose)