Das Preisschild

Das hatte sie sich schon lange gewünscht, die kleine Annika, einmal ein Wochenende ganz alleine bei ihrer Tante in der Stadt zu verbringen. Annika war noch nicht ganz drei einhalb Jahre alt und noch nie alleine verreist. Eines Tages bot sich eine günstige Gelegenheit für dieses Abenteuer, denn Annikas Eltern mussten zu einer kurzen Dienstreise aufbrechen und kamen am Wohnort der Tante vorbei. So wurde Annika eines schönen Tages in einem April bei ihrer Tante, die in der Stadt lebt, abgesetzt. Da Annikas Mutter wusste, dass ihre Tochter wie auch die Tante Einkaufsbummel lieben, insbesondere Schuhkäufe, gab sie der Tante den „Auftrag“ ein paar Sandalen für Annika zu kaufen, damit sie für den nächsten Sommer, schuhtechnisch gesehen, gerüstet war.

Noch am selben Nachmittag zogen die beiden Damen los. Nach dem schwierigen Entscheidungsprozesses, welches Paar der zahlreichen schönen Sandalen sie auswählen sollten, gingen sie weiter in ein Bekleidungsgeschäft. Die Tante wollte Annika noch gerne ein T-Shirt kaufen, außerdem wäre Annika ohne ein verlockendes Angebot nicht mehr von den Schuhen wegzubewegen gewesen! Mehrere T-Shirts wurden über den kleinen Kopf gezogen und zurechtgezupft. Annika lies alles mit Begeisterung geschehen, sie liebte Kleider kaufen. Als die beiden sich für das lindgrüne T-Shirt entschieden hatten, stellte die Tante fest, dass das Preisschild fehlte. Vorhin hatte sie es noch gesehen, jetzt war es plötzlich spurlos verschwunden. Doch die Verkäuferin kannte den Preis und so bezahlte die Tante an der Kasse und die Damen machten sich erschöpft auf den Heimweg, nachdem sie sich zuvor noch in einem Café gestärkt hatten. Zuhause angekommen, zog Annika ihre Strickjacke aus und da sah die Tante es: Auf dem Rücken der Nichte prangte ein weißes Preisschild. Diskret wollte die Tante das Schild wegzupfen, doch Annika hatte die Bewegung gespürt: „Was machst du da?“, fragte sie. „Ich habe gerade das Preisschild auf deinen Rücken entdeckt und es abgemacht“. Annika wunderte sich: „Wie kommt denn da ein Preisschild hin?“. „Na ja“, erklärte die Tante, „vorhin, als du die T-Shirts anprobiert hast, ist doch plötzlich ein Schildchen weggewesen, das muss an deinem Rücken hängen geblieben sein“. „Nein, nein, das war ganz anders. Jetzt weiß ich es wieder“, protestierte Annika, „als wir auf dem Heimweg waren, da hat Gott schnell ganz heimlich den Preis auf meinen Rücken geklebt, damit ich weiß, wie viel ich einmal gekostet habe“. Die Tante war strikt gegen diese Theorie und entgegnete: „Aber Annika, auf dem Schild steht doch fünf Euro drauf und du bist viel, viel mehr wert, genaugenommen bist du mit Geld gar nicht zu bezahlen“.

 

Kein Erklärungsversuch der Tante konnte Annika von ihrer Überzeugung abbringen. Das ganze Wochenende freute sich das Kind darüber, dass es unglaubliche fünf Euro wert war. Von Gott ganz persönlich ausgezeichnet. Fünf Euro war eine unvorstellbar große Summe für Annika. Noch lange, nachdem Annika am Sonntagabend von ihren Eltern abgeholt worden war, kreisten die Gedanken der Tante um dieses Erlebnis. Sie selbst hatte die Altersgrenze von drei Jahren längst überschritten gehabt, als sie sich die Frage stellte, wie viel sie wohl wert war. Die Tante hatte nie ein Preisschild auf ihrem Rücken entdeckt und versuchte deshalb, ihren Wert an anderen Dingen festzumachen, denn jeder Mensch will doch irgendwann einmal wissen, wie viel er wert ist. Ob er überhaupt wertvoll ist. Ob irgendjemand bereit wäre, einen Preis für ihn zu bezahlen.

Fast alle Menschen suchen und finden ein „Schild“, an dem sie ihren Wert festzumachen versuchen. Manchmal hält das „Schild“ jahrelang und die Menschen sind glücklich. Es kommt jedoch auch vor, dass das „Schild“ durch unglückliche Umstände abfällt. Dann ist der Kummer groß und der Mensch stellt sich die Frage: „Was bin ich denn jetzt noch wert?“

Dann sucht sich der Mensch eine neue Auszeichnung und muss feststellen, dass kein „Schild“ der Welt ein Leben lang hält. Irgendwann besinnt sich der eine oder andere dann auf Gott und fragt: „Mein Gott, warum bin ich auf die Welt gekommen?“. Die Antwort auf diese Frage finden wir nicht in uns selbst. Wer Sinn und Zweck seines Lebens sucht, muss seine Suche bei Gott ansetzen. Er wird sich finden lassen! Was er Israel verheißen hat, gilt für jeden Menschen: „Und ihr werdet mich anrufen und hingehen und mich bitten und ich will euch erhören. Ihr werdet mich suchen und finden; denn wenn ihr mich von ganzem Herzen suchen werdet, so will ich mich von euch finden lassen“ (Jeremia 29,11 bis 13a). Aus Liebe zu uns opferte Gott seinen Sohn: „So sehr habe ich dich geliebt, dass ich meinen einzigen Sohn für dich gegeben habe, damit alle, die an mich glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben“ (nach Johannes 3,16).
Jesus hat einen sehr hohen Preis bezahlt, damit der Mensch Vergebung für seine Sünde bekommen kann. Dem Menschen bleibt nichts anderes mehr zu tun, als das Geschenk der Vergebung anzunehmen. Damit ist die Beziehung zu Jesus hergestellt, und durch ihn allein bekommt das Leben Sinn und Wert.

Wenn der Mensch erkennt, dass sein Leben durch und in Jesus Ewigkeitswert hat, dann kann er getrost auf selbstangebrachte Schilder verzichten. Denn dann wird er merken, dass weder Partner, Kinder, Hobby, Fitness, Erfolg, Beruf, Ansehen oder Gesundheit das Verlangen nach Anerkennung und Wertschätzung befriedigen können.
Erst wenn Gott persönlich dem Menschen sein Schild aufklebt, auf dem steht: „Errettet, geliebt und wertgeachtet um Jesus willen“, wird die Frage nach dem Wert beantwortet sein. Das hat auch Annikas Tante erfahren und sie betet nun für ihre kleine Nichte, dass diese früh im Leben ihren wahren Wert erkennen möge.

(Rose)