Gutschein für ein neues LEben

Vor ungefähr 30 Jahren bauten sie zusammen Legohäuser und spielten mit der Eisenbahn. Ein paar Jahre später waren Tischtennis und Würfelspiele angesagt. Im Mai 2009 arbeiteten sie zusammen in einem Team als „Fachkräfte“ für Mission.

Heute möchte ich ein Interview weitergeben, das ich mit meinem Vater, Paul (70), Evangelist im (Un)Ruhestand geführt habe. Im Mai 2009 hatte er mit seinem Sohn, Karl-Ernst (34), Missionar bei der Barmer Zeltmission, einen gemeinsamen Einsatz in Oelde (Münsterland).

Frage: „Wie kam es zu der Zusammenarbeit von Vater und Sohn in diesem Frühjahr?“

Paul (im weiteren Verlauf mit „PH“ abgekürzt): „Karl-Ernst hatte einen Einsatz als Leiter der Aktion „Leben ist mehr“ mit dem Bus der Barmer Zeltmission in einer christlichen Gemeinde in Oelde. Da die Gemeinde recht klein war, hatten sie nicht genügend Mitarbeiter. Der Gemeindeleiter kannte mich noch aus meiner aktiven Zeit und fragte an, ob ich das Team in diesem Einsatz unterstützen könnte“.

Frage: „Was genau war das für ein Einsatz?“

PH: „Die Barmer Zeltmission besitzt einen Bus, der vom Reisebus in ein Bistro umgebaut worden ist. Dieser Bus, auch „mobiler Treffpunkt“ genannt, stand von Montag bis Samstag in der Fußgängerzone von Oelde. Der Bus war sehr ansprechend gestaltet, im Außenbereich waren Bistrotische, Kaffeetischchen und Gartenstühle aufgebaut. Im Bus gab es natürlich auch Sitzgelegenheiten und eine Bücherecke. Das alles diente als mobiler Treffpunkt bzw. Anlaufstelle für Menschen, die Fragen haben“.

Frage: „Und die Leute kommen dann einfach so zum Bus und stellen Fragen?“

PH: „Nun ja, der Bus ist nicht gerade zu übersehen, quer über der ganzen Breitseite des Busses steht in großen Lettern: „LEBEN IST MEHR“. Da kommen schon Fragen auf. Natürlich sind einige vom Team auch von 9.00 – 18.00 Uhr durch die Fußgängerzone gegangen und haben Gutscheine verteilt“.

Frage: „Gutscheine - wofür?“

PH: „Das ist eine ganz tolle Sache. Die Mission hat sehr ansprechende, farbige Gutscheine drucken lassen. Darauf stand in etwa: „Gutschein für eine Tasse Cappuccino, Kaffee oder ein anderes Getränk. Wahlweise können Sie sich auch ein Buch aussuchen“. Das haben viele Menschen in Anspruch genommen und kamen auf eine Tasse Kaffee. Oft fragten sie dann, was die Aufschrift auf dem Bus „LEBEN IST MEHR“ bedeute. Ich habe meist geantwortet: ‚Wenn es den da oben gibt, dann ist Leben mehr, als geboren zu werden um sterben zu müssen’. Das war dann der Einstieg ins Gespräch. Fast immer setzten sich die Leute dann hin, tranken ihren Kaffee und wir sprachen über Gott, die Welt und aktuelle Probleme“.

Frage: „Das klingt sehr interessant. Kannst du mal ein Beispiel geben?“

PH: „Ein 28-jähriger Mann kam auf mich zu und ich stellte schnell fest, dass er die Bibel sehr gut kannte. Ich fragte erstaunt, wie er zu der umfangreichen Bibelkenntnis gekommen sei. Er erzählte mir, dass er katholisch sei und viel in der Bibel gelesen habe. Als er dann große Unterschiede feststellte zwischen dem Inhalt der Bibel und der Predigt in der Kirche, ist er zum Priester gegangen und wollte Antworten auf seine Fragen. Nach einer kurzen Diskussion warf ihn der Priester aus dem Pfarrhaus. Seither sei die Kirche mit allem drum und dran für ihn gestorben, berichtete der junge Mann. Ich hatte ein gutes Gespräch mit ihm und konnte ihm sagen, dass wir keine Werbung für eine Kirche oder eine Institution machen, sondern für unseren Schöpfer, Gott, den Herrn“. Einmal habe ich einen Jugendlichen, zur Beantwortung seiner eigenen Frage, einen Vers aus der Bibel vorlesen lassen. Er war tief bewegt darüber, dass die Bibel Antworten für die Fragen von heute hat“.

Frage: „Das war ein beeindruckendes Beispiel. Gab es auch ablehnende Reaktionen?“

PH: „Mir ist aufgefallen, dass besonders die ältere Generation sehr verhärtet ist. Oft führten sie die Gräueltaten aus dem zweiten Weltkrieg als Argument an, weshalb sie nicht an einen Gott glauben könnten. Wiederrum erstaunt hat mich, die große Offenheit der jungen Leute. Sie kamen mit vielen ernsten Fragen und oft hatten wir sehr tiefgehende Gespräche. Manchmal ging das so weit, dass nur noch der letzte Schritt gefehlt hat.

Frage: „Was meinst du mit dem ‚letzen Schritt’?“

PH: „Den Schritt zu Jesus hin. Die Übergabe ihres Lebens an Jesus Christus, die Bekehrung“.

Frage: „Gab es etwas, was dich als „alten Hasen“ erstaunt hat, etwas, womit du so nicht gerechnet hättest?“

PH: „Oh ja – das gab es. Ich hätte z.b. nie damit gerechnet, dass so ein großer Gesprächsbedarf besteht. Jungendliche kamen scharenweise zum Bus um Fragen zu stellen, wie z.b. „Warum sieht es in der Welt so aus wie es aussieht? Haben wir überhaupt eine Zukunft?“

Frage. „Welche Antwort hast du darauf gegeben?“

PH: „Aus der Geschichte weiß man, dass die Menschheit seit dem Sündenfall von Gott getrennt ist, Satan ist der Gott dieser Welt und hat die Masse der Menschen im Griff. So breitet sich das Böse weltweit immer mehr aus. Und ja – wir haben Zukunft. Weil Jesus in die Welt gekommen ist, hat jeder Mensch die Chance auf ewiges Leben. Die Menschen sind so offen und fragend und warten nur darauf, dass wir zu Ihnen gehen, dass sie zuverlässige Antworten erhalten auf ihre echten Fragen“.

Frage: „Was würdest du für ein Resümee ziehen nach dieser Einsatzwoche?“

PH: „Der Auftrag der Gemeinde Jesu lautet bekanntlich: „Gehet hin“. Eigentlich müssten sich alle Rentner vollzeitlich und unentgeltlich für die Sache Jesu einsetzen. Schließlich ist ihr Unterhalt gesichert, die Rente wird aufs Konto überwiesen und sie hätten jetzt Zeit. Die Menschen auf der Straße sind so offen für Gott, aber wir Christen sind den lieben langen Tag lang mit unseren eigenen Problemen beschäftigt. Mir ist neu bewusst geworden, dass wenn wir in den vergangen 50 Jahren in Deutschland mehr evangelisiert hätten, würde es in unserem Land heute anders aussehen. Dann hätten nicht so viele östliche Religionsgemeinschaften bei uns Fuß fassen können. Aber wir haben uns zu Tode geschwiegen“.

Frage: „Heißt das, dass jetzt alles zu spät ist?“

PH: „Nein und nochmals nein. Wir müssen einfach die Gelegenheiten nutzen, die sich uns jeden Tag bieten. Oft sind es nur Kleinigkeiten, wodurch man mit den Leuten ins Gespräch kommt. Eine alte Nachbarin sagte mir, mitten im Gespräch übers Wetter, dass sie am nächsten Morgen zu einer Untersuchung ins Krankenhaus müsse und nicht wisse, wie sie zu solch früher Stunde dorthin kommen würde. Ich bot ihr an, sie hinzufahren. Während der Fahrt hatten wir ein sehr gutes Gespräch. Oder eine andere Nachbarin, ihr Mann war erst kürzlich gestorben und sie hatte kein Auto. Ich habe ihr mehrere Wochen lang die schweren Einkäufe nach Hause gefahren und bis in den dritten Stock getragen. Sie wollte dennoch nichts von Jesus wissen, aber ich habe es wenigstens versucht. Man muss einfach nur mit offenen Augen durch den Tag gehen“.

Frage: „Wie sieht dein Alltag aus, wenn du nicht gerade einen Einsatz mit deinem Sohn hast?“

PH: „Oh, mein Alltag ist sehr abwechslungsreich. Ich bin viel unterwegs zu Predigtdiensten. So bin ich regelmäßig zu Bibelwochen unterwegs, wie beispielsweise im Allgäu, in Zweibrücken, in Hildesheim, in Hamburg oder in der Schweiz. Einmal im Monat habe ich einen Jugendgottesdienst hier in der Nähe (Kreis Freiburg), zweimal im Monat spreche ich in zwei verschiedenen Hauskreisen. Fast jeden Sonntag predige ich in einer anderen Gemeinde. Es gibt viel Resonanz auf die Predigten, Menschen kommen hinterher mit ihren Fragen oder möchten sich aussprechen. Gott wirkt durch sein Wort. Wenn ich gerade einmal zuhause bin, dann helfe ich meiner Schwester im Weinberg oder in ihrer Obstanlage. Gelegentlich helfe ich meinem Schwager beim Holzsägen oder anderen Arbeiten. Einmal habe ich ihm beim Bau eines neuen Hühnerstalls geholfen. Auch mein eigenes Holz hole ich mit dem Schwager zusammen im Wald und säge es für unseren Kachelofen zurecht. Dann muss ich mich natürlich auch für die nächsten Dienste vorbereiten und ich benötige viel Zeit für meinen Computer, der so oft nicht macht, was ich möchte. Wenn’s meiner Frau mal nicht so gut geht, erledige ich das Staubsaugen oder ähnliches. Leider oft erst dann, wenn sie es zweimal erwähnt hat“.

Zum Schluss eine Frage an deine Frau: „Wie kommst du mit so einem aktiven Mann zurecht?“

Martha: „Ich bin dankbar, dass er gebraucht wird und sich gebrauchen lässt. Auch kann ich nur unterstreichen was mein Mann gesagt hat. Er ist wirklich universell einsetzbar. Er hat eine besondere Gabe, auf natürliche Weise mit den Menschen ins Gespräch zu kommen. Er kann mit alten Menschen genauso gut umgehen wie mit jungen Leuten. Sogar mit mir kommt er klar. Er kann fast alles, außer Kuchenbacken und Bügeln. Dazu braucht er dann mich“.

(Rose)