Woher kommen die Freikirchen?

Ein Anlass für die Entstehung etlicher weiterer christlicher Gruppen war die Reformation in Europa, die schon vor Martin Luther mit Menschen wie John Wycliff in England und Johannes Hus in Böhmen begann. Wussten Sie, dass es drei "Flügel" der Reformation auf dem europäischen Kontinent gab?

Der erste Flügel und die bekannteste reformatorische Bewegung in Deutschland ist selbstverständlich die evangelische Kirche Deutschlands, die später aus Luthers Lebenswerk entstand. Seine Leitsätze waren: "sola scriptura" (allein die Bibel), "sola gratia" (allein die Gnade) und "sola fide" (allein durch Glauben). Das Bibelwort aus Römer 1,17 war ihm sehr wichtig: "Der Gerechte wird aus Glauben leben" .

Es gab eine zweite Bewegung in der Schweiz unter der Führung von Ulrich Zwingli und Johannes Calvin, aus der die sogenannte presbyterianische oder reformierte Kirche hervorging. Diese ist heute viel stärker in der Schweiz und in Ländern wie Holland, England, Schottland und in den USA als in Deutschland vertreten. Die Hugenotten in Frankreich gehörten auch dieser Gruppe an.

Der sogenannte dritte Flügel der Reformation verbreitete sich sehr schnell in ganz Europa, hatte aber keine zentral organisierte Struktur wie die obengenannten Kirchen und wurde von diesen Kirchen verdrängt, bekämpft und unterdrückt. Die Anhänger dieses Flügels lehnten die Säuglingstaufe ab, weil sie diese Taufpraxis nicht in der Bibel fanden, die für sie Maßstab für Glaube und Denken war. Sie erkannten, dass die Menschen im Neuen Testament zuerst eine bewusste Entscheidung für Jesus Christus trafen, bevor sie sich taufen ließen. Die erste Generation dieser Bewegung wurde schon als Kinder "getauft" und ließ sich dann im Erwachsenenalter nach ihrer neuen Überzeugung biblisch taufen. Deshalb wurde diese Gruppe spöttisch "Wiedertäufer" genannt. Aus dieser Bewegung gingen die taufgesinnten Gemeinden in der Schweiz, die Mennoniten und die Baptisten in Holland, Deutschland, England und in anderen Ländern Europas, sowie auch viele andere "Freikirchen" hervor. Weil die meisten dieser Gruppen vertrieben oder verfolgt wurden, sind sie in vielen westeuropäischen Ländern weniger bekannt. In den ehemaligen Ostblockländern, Holland, England und in den USA sind sie unter den größten christlichen Gruppen und haben dort mehr Anhänger als die lutherische Kirche.

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